Schlosskonzerte 2016/2017


Grußwort des künstlerischen Leiters Norbert van der Linde

Hochverehrtes Publikum,
liebe Abonnentinnen und Abonnenten!

Wir sind alle rhythmische Analphabeten. Hier schließe ich mich selbstverständlich ein und natürlich ist dieser Satz auch cum grano salis zu verstehen, verweist aber etwas provozierend auf ein Phänomen unserer rhythmischen Sozialisation: Wir denken auf der Zeitachse in Takten, also in festgefügten Betonungsschemata, und damit zumeist in redundanten rhythmisch-metrischen Mustern. Dies ist in außereuropäischer Musik häufig anders, sodass wir dort auf sehr viel komplexere rhythmische und metrische Phänomene treffen. Vielen okzidental geprägten Musikern – selbst Profi-Musikern –  lehrt die Erfahrung, afrikanische, südamerikanische oder asiatische Musik spielen zu dürfen (oder zu müssen), Bescheidenheit und die Aufführungen sind bisweilen nicht frei von unfreiwilliger Komik. Die hier und da immer noch erkennbare kulturelle Hybris des Okzidents gegenüber außereuropäischer Musik, die im Bereich der Kunstmusik ihren Ursprung möglicherweise in der hier unbestritten sehr komplexen Organisation der Mehrstimmigkeit haben könnte, ist dann mindestens unpassend. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang noch gut an folgenden Satz einer sehr erfahrenen Chorsängerin aus dem Schüler-Lehrer-Eltern-Chor der Canisiusschule, der nach einem Konzert mit Jazz-Standards und den vom afrikanischen Rhythmusgefühl geprägten vertrackten Synkopen und Offbeats fiel: „Ich habe fast alle großen Oratorien und Messen gesungen, aber diese vertrackten Rhythmen im Jazz waren das Schwerste, was ich jemals auf einer Konzertbühne präsentiert habe.“ Diese Sängerin war wohlgemerkt offen für neue Erfahrungen und sicherlich schon zuvor frei von jeglichem abendländischen Kulturchauvinismus.
Ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, wenn die selbst erklärten Retter des Abendlandes auf den Pegida- oder Legida-Demonstrationen ihre auch rhythmisch phantasielosen Parolen zu afrikanischen Trommelrhythmen, südamerikanischen Timelines oder indischen Talas skandierten…

Sie merken es: In der kommenden Saison spielen Rhythmus und Perkussion und damit immer wieder   auch außereuropäische Musik eine gewichtige Rolle. In drei aufeinanderfolgenden Konzerten wird das Schlagwerk, um einen schönen alten Begriff zu verwenden, zu hören sein: Dies beginnt im November mit den „Mixsticks“, einem innovativen Schlagzeugduo, das in Ahaus noch durch die Sängerin Liliana Cortez Burciaga bereichert wird. Zusammen mit dem Schlagzeuger Torsten Müller dürfen wir im Dezember das stets mit originellen Programmkonzepten aufwartende Blockflötenquartett „Flautando“ begrüßen. Die „Perkussions-Trias“  beschließen im Januar 2017 das wunderbare Mandelring-Quartett und die nicht minder faszinierende Perkussionistin Katarzyna Myćka – eine Wiedereinladung und zugleich ein sehr lohnendes Déjà-vu bzw. Déjá-écouté.

Was erwartet uns noch?
Zum frühen Auftakt ein Novum in unserer Konzertreihe: ein vierhändiger Klavierabend. Im vierhändigen Klavierspiel kommt es – um beim Leitmotiv der Saison zu bleiben – ja auch auf äußerste rhythmische Präzision an, geht es doch im synchronen Zusammenspiel um Millisekunden. Meine Frau und ich sind froh, Ihnen in diesem Konzert am kürzlich nochmals überarbeiteten Steinway-Flügel den besonderen Reiz des vierhändigen Klavierspiels nahebringen zu dürfen.
Das größte Ensemble besucht uns im Februar: Ich freue mich ganz besonders, dass das Bayerische Kammerorchester und der Oboist Ramón Ortega Quero den Weg nach Ahaus finden. Ramón Ortega Quero war bereits vor fünf Jahren zu Gast in Ahaus und ist inzwischen ein Weltstar.
Mit dem charismatischen Cellisten László Fenyö und der „Steinway-Künstlerin“ Marianna Shirinyan bildet eines der aktuell aufregendsten Kammermusikduos den Saisonabschluss.

Der Kreis Borken, die Stadt Ahaus und ich wünschen Ihnen, dass Sie die rhythmische Alphabetisierung des Münsterlandes goutieren und dass Sie nach den Konzerten beglückt und rhythmisch beschwingt nach Hause gehen.

Norbert van der Linde


Schlosskonzerte der Saison 2016/2017 im Einzelnen, Beginn jeweils 19.30 Uhr

Sonntag, 25. September 2016: Klavierduo van der Linde 

Andrea van der Linde - Klavier
Norbert van der Linde - Klavier

Sonntag, 13. November 2016: Mixsticks - Schlagzeugduo
Tomi Ananiev Emilov & Alejandro Coello Calvo und Liliana Cortez Burciaga – Gesang

Sonntag, 11. Dezember 2016: Flautando Köln
Susanne Hochscheid, Katrin Krauß, Ursula Thelen, Kerstin de Witt - Blockföten 
Torsten Müller – Schlagwerk, Ursula Thelen - Gesang
www.flautando-koeln.de

Sonntag, 15. Januar 2017: Mandelring Quartett
Sebastian Schmidt – Violine
Nanette Schmidt – Violine
Andreas Willwohl – Viola
Bernhard Schmidt – Violoncello
und  Katarzyna Mycka - Marimba
www.sudbrackmusik.de

Sonntag, 12. Februar 2017: Bayerisches Kammerorchester Bad Brückenau
Olivier Tardy - Leitung
Ramón Ortega Quero – Oboe
www.kammerorchester.de

Sonntag, 19. März 2017: László Fenyö – Cello, Marianna Shirinyan – Klavier
www.ccm-international.de

Programm Schlosskonzerte 2016/2017


Die Plätze sind nummeriert. Garderobengebühr und Abendprogramm sind im Eintrittspreis enthalten.

Ansprechpersonen: Antonius Böing/Thomas Wigger, Telefon: 02861/82-1350

Bitte die Bestellung einsenden an:

Kreis Borken
Fachbereich Schule, Bildung, Kultur, Sport
Burloer Str. 93
46325 Borken

oder per E-Mail an a.boeing@kreis-borken.de oder t.wigger@kreis-borken.de.

Die Platzvergabe erfolgt soweit möglich nach Wunsch in Verbindung mit dem zeitlichen Eingang der Bestellung.
Die bestellten Abokarten werden gegen Rechnung zugesandt.

Einzelkarten werden an der Abendkasse hinterlegt!