Die Friedenseiche in Südlohn

Grüne Mahnung zum Frieden

Vom Krieg hatten die Südlohner Bürger 1871 erst einmal genug. Nach dem Ende der Auseinandersetzungen zwischen dem französischen Kaiserreich und den deutschen Staaten pflanzten sie in ihrer Ortsmitte eine kleine Eiche, eine Friedenseiche. Sie erinnert bis heute an die Gründung des Deutschen Kaiserreichs nach dem siegreichen Krieg, vor allem aber ist sie eine Mahnung zum Frieden. 1994 brachte der Heimatverein Südlohn am Fuß des ausladenden Baumes eine Tafel an, die auf die Pflanzung zum Ende des Deutsch-Französischen Krieges hinweist.

Zwei weitere Kriege hat die Eiche überstanden – und die Versöhnung zwischen den einstigen Erzfeinden Deutschland und Frankreich miterlebt. „Ohne die Eiche würde uns etwas fehlen", ist Helmuth Emmerich vom Heimatverein Südlohn überzeugt. Heute nutzen viele Besucher der gegenüberliegenden Eisdiele den Schatten der Eiche für eine kurze Rast, bis 1965 war der Baum auch Ort für die Erinnerung an die Toten der Weltkriege. Bereits am 23. Juli 1923 wurde unter der Eiche ein Kriegerdenkmal eingeweiht. 1964/65 verlagerten die Südlohner ihren Gedenkort dann auf das Gelände des Alten Friedhofes, auf dem sich bis heute das große Ehrenmal befindet.

1996 hat der Kreis Borken die Friedenseiche in die Liste seiner Naturdenkmäler aufgenommen. „Sie ist Beispiel für einen innerörtlichen Baum mit einem vorbildlich gestalteten Umfeld", erklärt Norbert Stuff aus dem zuständigen Fachbereich des Kreises. Regelmäßig begutachten Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde die Eiche, um sie noch möglichst lange zu erhalten. 1998 und 2006 entfernte eine Fachfirma Totholz aus der Krone. Knapp vier Meter umfasst heute der Stamm der Eiche, ihre Äste streckt sie etwa 20 Meter in die Höhe. Als Friedenseiche ist das Naturdenkmal übrigens nicht allein auf weiter Flur. „Besonders nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurden zahlreiche solcher Bäume gepflanzt", berichtet Norbert Stuff. So wird ebenso die Piuseiche in Raesfeld-Erle, die seit Juni 1871 ihre Wurzeln ins Erdreich streckt, Friedenseiche genannt, und auch auf dem Servatiiplatz in Münster stand einst eine Friedenseiche.